Weltmeister werden nicht geboren.

Weltmeister werden nicht geboren.
17. Juni 2015 Ernst Holzmann

Weltmeister werden gemacht!

Erfahrung kann man nicht in einem Schnellkurs lernen, Führungsnachwuchs – egal ob „auf dem Platz“ oder im Büro – bekommt man nicht in neun Monaten – und nur an herausfordernden Aufgaben können junge Menschen wachsen.

Sind Sie vielleicht auch noch wochenlang nach dem Gewinn unseres des WM-Titels jeden Morgen mit einem „breiten Grinsen“ im Gesicht aufgestanden, aber haben sich bei den letzten Spielen der Nationalmannschaft verwundert die Augen gerieben? Der lang ersehnte Gewinn unseres „vierten Sternes“ in Brasilien entfachte überschäumende Begeisterung im ganzen Land, doch nach den letzten Spielen der Nationalmannschaft fragen sich viele, ob sie nicht bloß geträumt haben und was die Gründe für den plötzlichen Leistungseinbruch sind.

Gerade der Weg unserer Weltmeister, und die aktuelle Situation unserer Fußball-Nationalmannschaft zeigen eindrucksvoll, dass Erfolge nicht für die Ewigkeit sind, dass bei einem Neuaufbau eines Teams keine Wunder erwartet werden können und wie wichtig für Spitzenleistungen ein ausgewogenes Team ist. Junge „Wilde“ (wie z.B. Mario Götze), alte „Hasen“ (Miro Klose), Querdenker (T. Müller) und leidenschaftliche Kämpfer (Bastian Kampf-Schweinsteiger) gehören dabei genauso dazu, wie überragende Experten (M. Neuer) und natürlich der entsprechende Coach, der eine klare Strategie hat und sein Team als Vorbild und mit Leidenschaft führt.

 

1. „Die Einstellung ist wichtiger als die Aufstellung!“
Aber nur, wenn „der richtige Mann am richtigen Platz“ ist.

So reagierte der Bundestrainer auf die einsetzende Kritik nach dem mit viel Müh und Not und 2:1 gewonnenen Achtelfinal-Spiel bei der WM 2014 gegen Algerien. „Ganz Deutschland“ diskutierte kontrovers über die gewählte Taktik mit einer „falschen Neun“, über die „richtige“ Position von Philipp Lahm und die Besetzung der Innenverteidigung. Der letztendliche Titelgewinn bestätigte aber eindrucksvoll die getroffenen Entscheidungen von Jogi Löw, gerade auch mit seinem gezeigten Vertrauen bei den Einwechslungen von A. Schürrle und M. Götze als Vorbereiter bzw. Schütze des „goldenen Tores“.

Natürlich ist die „richtige“ Einstellung (z.B. Leistungsbereitschaft und Teamorientierung) zum gewählten Beruf ein wichtiger Teil auf dem Weg zum gemeinsamen Erfolg, nicht nur „auf dem Platz“, sondern gerade auch in Unternehmen.

Trotzdem nützt eine entsprechende Motivation aller Beteiligten relativ wenig, wenn die „Aufstellung“ falsch gewählt wurde und nicht klar ist, wer für was eigentlich verantwortlich ist. Deswegen gibt eine passende Zuordnung von Aufgaben auf Basis der Stärken der einzelnen „Spieler“ gerade talentierten Nachwuchskräften Sicherheit, Spielraum zum Entfalten und stärkt das Selbstbewusstsein bei erzielten Erfolgen. Vom „Einfachen zum Schwierigen“ heißt hier die Devise, auf dem grünen Rasen und im Büro. Das Übertragen von neuen, anspruchsvollen Arbeiten gehört zum generellen Führungsprinzip „Fördern durch Fordern“, besonders bei der Begleitung von hoffnungsvollen Talenten auf ihrem Weg zu Leistungsträgern. Dazu den Leistungsstand der Spieler überprüfen und bei Bedarf entsprechende Hilfestellungen oder Training anbieten. Und dann ganz wichtig: Beim täglichen Tun Erfahrung sammeln lassen, eventuell unterstützend eingreifen und feststellen, ob sie den Anforderungen und Erwartungen gewachsen sind.

2. Von „Schweini“ zu einem Bastian Kampf-Schweinsteiger.
Niederlagen sind Teil des späteren Erfolges.

Beim „Sommermärchen 2006“ mit Wasserstoff-blondem Haar, als talentierter Nachwuchsspieler und Teenie-Schwarm („Schweini“) einfach mal mitgespielt. Bei den anschließenden Europa- und Weltmeisterschaften im Finale bzw. Halbfinale noch gescheitert. Und zu allem Überfluss bei „seinen“ Bayern im Champions-League-Finale 2012 „dahoam“ gegen den FC Chelsea London einen entscheidenden Elfmeter verschossen. Vor der WM 2014 mehr verletzt als gespielt und im Turnier vor jedem Spiel fitgespritzt. Und dann im Endspiel gegen Argentinien: DER Denker und Lenker im zentralen Mittelfeld, stand öfters auf, als er vom Gegner gefällt wurde und ließ sich auch von einem blutenden Cut nicht aufhalten. Bastian Schweinsteiger (jetzt mit angegrauten Schläfen) wusste nach zehn Jahren des Lernens und nach mehrmaligem zu Boden gehen und wieder aufstehen genau, was in kritischen Situationen zu tun ist und führte mit seiner Erfahrung und Leidenschaft die deutsche Mannschaft letztendlich zum Titel.

Dieses Beispiel beweist zum einen, dass man „Führungsnachwuchs nicht innerhalb von neun Monaten bekommt“ (nach Hans Merkle, Bosch) und dass Scheitern Teil des späteren Erfolges ist. Dies aber nur, wenn man bereit und fähig ist, aus einmal gemachten Fehlern zu lernen, sich nicht entmutigen lässt und das Vertrauen der Verantwortlichen spürt und bekommt. Gleichzeitig kann man Spitzenleistungen (auf dem Platz oder in der Wirtschaft) nur dann erzielen, wenn man sich nicht scheut, ständig die Herausforderung anzunehmen, sich mit den Besten in der Branche zu messen.

3. „Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech hinzu!“
Ergebnis von Leistung trennen.

Diese legendäre Aussage von Jürgen Wegmann (Ex-Fußball-Profi) beschreibt bestens den Spielverlauf bei den absolvierten Qualifikations-Spielen der deutschen Mannschaft zur EM 2015 gegen Polen und Irland. Vergebene Torchancen der eigenen Mannschaft zuhauf und unglückliche Gegentreffer in den letzten Sekunden. Deswegen den Stab über die neue und unerfahrene Mannschaft (allein sieben Spieler aus dem WM-Finale fehlten aus unterschiedlichen Gründen) zu brechen und hektische Umstellungen vorzunehmen, wäre die verkehrte Maßnahme zum verkehrten Zeitpunkt gewesen.

Kluge Führungskräfte (nicht nur am Spielfeldrand) trennen deswegen sorgsam Ergebnis von Leistung, oder von nicht zu beeinflussenden Umständen. Sie wissen genau, dass sie mit ihren jungen Talenten Geduld haben und diese schützen und stützen müssen. Eventuelle Fehler werden sachlich und vertraulich angesprochen, Wege zu Verbesserungen aufgezeigt und Chancen zur erneuten Bewährung, zum Hinzulernen und zum „Erfahren“ im wahrsten Sinne des Wortes gegeben. Einen anderen Weg gibt es nicht, gerade um hoch talentierte und ausgebildete Nachwuchskräfte im eigenen Team zu halten. Langfristig wird sich dieses Vertrauen auszahlen, durch größeres Verantwortungsbewusstsein, größeren Einsatz und damit schlussendlich durch den angestrebten Erfolg.

Oder wie es Fußball-Legende Pele sagen würde: „Erfolg ist kein Zufall. Er kommt zu uns durch harte Arbeit, Ausdauer, Lernen, Aufopferung und vor allem Liebe zu dem, was wir tun, oder lernen!“ Und vielleicht müssen wir auf den „fünften Stern“ ja nicht wieder 24 Jahre warten….

Dieser Artikel erschien auch auf unternehmer.de

59 Jahre, hat in seinen beruflichen Verantwortungen (u.a. Geschäftsführer Vertrieb & Marketing, Leiter Unternehmensstrategie und Business Development) bei der Siemens AG, Siemens Nixdorf und NEC-Mitsubishi „live“ die Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bzgl. Change Management, Geschäftsstrategie und Leadership kennen gelernt. Er ist leidenschaftlicher „Fußballer“ (u.a. jahrelanger Spieler, Trainer mit DFB-Lizenz, Sportlicher Leiter und Vorstand bei verschiedenen Amateur-Vereinen) und agiert aktuell als Redner, Interim Manager und Unternehmensberater. Gleichzeitig gibt er als Dozent an Hochschulen (u.a. für Sportökonomie, Leadership, Marketing und Kommunikation) seine Erfahrungen aus der Wirtschaft an die Studierenden weiter und agiert als Referent (Vertrieb und Marketing) bei Unternehmens-Seminaren.

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