Als Ausbilder/in Vorbild sein

Als Ausbilder/in Vorbild sein
21. Juni 2015 Ernst Holzmann

Gerade junge Menschen – besonders diejenigen, die in der Ausbildung sind –  brauchen Vorbilder, die ihnen bestimmte Verhaltensweisen und Eigenschaften vorleben und nicht nur vorsagen. Arbeit soll Sinn und Spaß machen, Flexibilität bieten und Freiräume beinhalten. Beim idealen Chef oder Ausbilder wird darauf geachtet, dass er ein loyaler, offener, kommunikativer und glaubwürdiger Typ ist, der auch Rückhalt bietet. Das sind die Ansprüche der sog. Generation Y (der heute 15 bis 35-Jährigen) nach aktuellen Studien.

Gerade wenn junge Menschen in der Ausbildung sind, spielen neben den fachlichen Fähigkeiten des verantwortlichen Ausbilders die „menschlichen“ Eigenschaften oft eine größere Rolle, da er oder sie für seine Schützlinge eine besondere Vorbild-Funktion einnimmt.

Die Gewinner unseres „vierten Sternes“ sind ein perfektes Abbild der beschrieben Generation und Jogi Löw als „Welt-Trainer 2014“ hat perfekten Anschauungsunterricht geboten, wie wichtig zu erfolgreicher und motivierender Führung das „Vorbild-sein“ gehört. Auch nach den Worten von Albert Schweitzer: „Ein Beispiel zu geben nicht die wichtigste Art ist, wie man andere beeinflusst, sondern die einzige!“. Dazu passend zeichnet ein „VORBILD“ vor allem aus:

 

V steht für Verantwortung und Vertrauen geben.

„Zeige der Welt, dass Du besser bist als Messi!“ So wurde Mario Götze vor seiner Einwechslung im Finale gegen Argentinien vom deutschen Bundestrainer Jogi Löw motiviert. Gerade junge Spieler (auf dem grünen Rasen, im Büro oder in der „Lehrwerkstatt“) wachsen an anspruchsvollen Aufgaben und brauchen das Vertrauen ihres Vorgesetzten getreu dem Prinzip „Fördern durch Fordern.“ Bei diesem gemeinsamen Weg gehört es auch dazu, die Lehrlinge zu eigenen Lösungen zu animieren, Freiräume für Experimente zu schaffen und auch Fehler zuzulassen. Im Zweifel muss man dann halt auch einmal in Kauf nehmen, dass der einzelne „Spieler“ damit auch mal sprichwörtlich „auf die Nase fällt“, wie es Thomas Müller bei der innovativen, aber missglückten Freistoß-Variante im Spiel der deutschen Mannschaft gegen Algerien passiert ist (Obwohl die Beteiligten von „geplant“ sprechen…). Der letztendliche Titel-Gewinn gab aber der deutschen Teamführung Recht, dass größere Entscheidungsfreiheit gleichzeitig ein stärkeres Verantwortungsbewusstsein und damit auch höheren Einsatz bei jedem einzelnen Spieler und der gesamten Mannschaft erzeugt.

 

O wie Orientierung und Organisation.

„Wir wollen Weltmeister werden!“
Nicht nur im Mannschaftssport wollen die Menschen „das „Große Ganze“ sehen, verstehen, wohin die Reise geht, welche Rolle sie dabei spielen und was von ihnen verlangt wird. Ehrgeizige und motivierende Ziele setzen (z.B. Ablegung der nächsten Prüfung mit „Sehr gut“, Erhalt des Gesellenbriefes) und dann die entsprechende Taktik (Maßnahmen) zu deren Erreichung festlegen. Den Weg in kleine, überschaubare Etappen einteilen, Zwischenziele festlegen und nicht vom Kurs abweichen. Und auch wenn man nicht überall Weltmeister werden kann, schärfen ehrgeizige Ziele den Fokus, halten die Motivation hoch und verhindern Nachlässigkeiten.

 

R = Respektvolle Behandlung.
Bei erfolgreicher Mannschaftsführung ist es entscheidend, alle Beteiligten für das gemeinsame Ziel zu gewinnen und respektvoll miteinander umzugehen, besonders auch bei Misserfolgen. Respektvolles Umgehen bedeutet nach meinen Erfahrungen aber nicht „in Watte packen“ oder „Weggucken“. Bei Fehlverhalten und/oder mangelnder Leistung bedarf es klarer Worte, aber hier ist das „Wie“ entscheidend. Emotionen sind fehl am Platz, das Trennen von Ergebnis und Leistung, sachliche Argumentation, das Aufzeigen von „Soll und Ist“ und das Anbieten vonLösungs- und Verbesserungsmöglichkeiten stehen im Mittelpunkt.

 

B wie Berechenbar sein, aber nicht berechnend.

„Man musste sich auf mich und mein Wort verlassen können.“
So blickt ein anderer großartiger Trainer, Ottmar Hitzfeld, auf seine Karriere zurück. Nichts ist schlimmer und verunsichert die Beteiligten mehr, als wenn ein Vorgesetzter bei Aufgabenzuordnungen und Kommentaren einen nicht nachvollziehbaren „Zick-Zack-Kurs“ fährt, launisch ist, oder unverständliche Entscheidungen trifft. Diese Handlungsweise lähmt die Beteiligten, verhindert selbstständiges Denken und führt im schlimmsten Fall sogar zur Resignation. Die „Spieler“ müssen sich auf getroffene Absprachen verlassen können, nur so können Höchstleistungen alleine und im Team erbracht werden.

 

I nformation.
„Geben Sie Ihren Mitarbeitern Arbeit, bei der sie ihre Fähigkeiten voll ausschöpfen müssen. Geben Sie ihnen alle notwendigen Informationen. Erläutern Sie ihnen klipp und klar, was es zu erreichen gilt. Und dann – lassen Sie sie in Ruhe!“ Auch wenn dieses “in Ruhe lassen“ gerade bei Auszubildenden, die oft auch unsicher sind, manchmal schwer fällt, hat die Empfehlung von R. Waterman (Amerikanischer Unternehmensberater) schon viel Wahrheitsgehalt in sich. Je besser die zu erledigenden Aufgaben erklärt und je mehr Informationen dazu bereit gestellt werden, umso weniger Missverständnisse gibt es und umso sicherer fühlen sich die Betroffenen. Auch hier ist es ähnlich wie auf dem Fußballplatz, auf dem ja auch Positionen zugeordnet, Informationen über den Gegner vermittelt und Anweisungen zur erfolgreichen Spielgestaltung gegeben werden. Und in beiden Lebensbereichen (Platz und Büro) gilt das gleiche Ausbildungs-Prinzip: Vom Einfachen zum Schwierigen, Erklären, Vormachen, Üben lassen und evtl. Eingreifen und Korrigieren. Dabei konstruktive Vorschläge zur Verbesserung geben und zum erneuten Üben anspornen. So führt man Talente an neue oder schwierige Aufgaben heran, gibt ihnen Selbstvertrauen und verbessert deren Leistung.

 

L oben und Lachen
Menschen, egal auf dem Platz oder im Büro, arbeiten zwar für Geld, aber nicht ausschließlich. Der Wunsch etwas Besonderes zu erreichen, Stolz auf seine eigene Leistung zu sein und Beachtung zu finden, treibt Menschen oft mehr an, als nur das normale Monatsgehalt. Deswegen kostet ein ehrlich gemeintes, verdientes Lob nicht nur kein Geld, sondern wird auch vom Gegenüber erwartet. Es spornt sowohl den direkt Gemeinten zu weiterem Einsatz an, als auch die anderen Teammitglieder und wird mit entsprechender Leistung zurückgezahlt. Und zu einem tollen Betriebsklima muss man als Ausbilder ja nicht jeden Tag den „Pausen-Clown“ (z.B. wie Lukas Podolski) geben, aber mit gemeinsamen Aktivitäten Spaß haben und ein herzhaftes Lachen (auch über einen selber) dürfen schon auch sein.

 

D = Disziplin fordern und zeigen.
„Ohne Fleiß kein Preis“ und „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“ Diese immer noch zutreffenden Volksweisheiten gelten nicht nur auf dem Trainingsplatz, sondern genauso in der Lehrlingswerkstatt. Gemeinsam Spaß haben ist die eine Sache, aber konsequent, diszipliniert und engagiert seine gestellten Aufgaben erledigen die andere. Auch hier gilt es, aufmerksam seine Schützlinge zu beobachten und im Zweifel einzugreifen. Natürlich bedeutet dies auch, dass man die geforderte Disziplin und den entsprechenden Einsatz selber auch vorlebt. Morgens der Erste und abends der Letzte sein. Sich für seine Mannschaft, für die besten Arbeitsbedingungen, benötigte Ressourcen und zugesagte Budgets einsetzen und das Team bei Rückschlägen nicht im Regen stehen lassen. So lebt man die Erwartungen vor und wird als echte Führungspersönlichkeit akzeptiert.

Für den Weg zum Erfolg gibt es wahrscheinlich keine bessere Beschreibung als die von einem der „Größten“ und wahren Vorbild auf dem Fußballplatz, von Pele: „Erfolg ist kein Zufall. Er kommt zu uns durch harte Arbeit, Ausdauer, Lernen, Aufopferung und vor allem Liebe zu dem, was wir tun, oder lernen.“ Und das gilt bestimmt nicht nur für die Generation Y und auch nicht nur für Ausbilder und Auszubildende alleine.

Dieser Beitrag wurde u.a. auch im Fachmagazin „Die Ausbilder“ (3/15)  und im IHK-Magazin „Position“ (Q2/15) veröffentlicht.

59 Jahre, hat in seinen beruflichen Verantwortungen (u.a. Geschäftsführer Vertrieb & Marketing, Leiter Unternehmensstrategie und Business Development) bei der Siemens AG, Siemens Nixdorf und NEC-Mitsubishi „live“ die Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bzgl. Change Management, Geschäftsstrategie und Leadership kennen gelernt. Er ist leidenschaftlicher „Fußballer“ (u.a. jahrelanger Spieler, Trainer mit DFB-Lizenz, Sportlicher Leiter und Vorstand bei verschiedenen Amateur-Vereinen) und agiert aktuell als Redner, Interim Manager und Unternehmensberater. Gleichzeitig gibt er als Dozent an Hochschulen (u.a. für Sportökonomie, Leadership, Marketing und Kommunikation) seine Erfahrungen aus der Wirtschaft an die Studierenden weiter und agiert als Referent (Vertrieb und Marketing) bei Unternehmens-Seminaren.

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