Weltmeister werden nicht geboren – Weltmeister werden gemacht!

Weltmeister werden nicht geboren – Weltmeister werden gemacht!
20. Oktober 2014 Ernst Holzmann

Vorher Überlegen macht nachher Überlegen, und: Menschen machen den Unterschied! So oder ähnlich müssen Joachim Löw und sein Team auf dem Weg zu unserem „vierten Stern“ gedacht und gehandelt haben. Dabei können die angewendete Strategie und die entsprechenden Maßnahmen nicht nur „auf dem Platz“, sondern genauso in der globalen Wirtschaft zum Titel führen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei nicht nur bei den handelnden Personen, sondern speziell bei einem durchgängigen Konzept, welches klare Wettbewerbsvorteile bietet und nicht so schnell kopiert werden kann. Das Setzen von ehrgeizigen und begeisternden Zielen, intensive Beobachtung und Analyse der Gegner, der Fokus auf eigene Stärken und das Formen eines schlagkräftigen Teams gehören genauso dazu, wie das Entwickeln einer Siegermentalität und das Zeigen von Führungsstärke und Leidenschaft auf und neben dem Spielfeld.

In der Fußballsprache sagt man dazu: „Da steht eine MANNSCHAFT auf dem Platz, ein Rädchen greift ins andere und man erkennt die Handschrift des Trainers“. Bei Unternehmen spricht man von Konzentration auf Kernkompetenzen, klarem Profil, Stärkung des Markenkernes, oder dem Erzeugen von nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen. Als Lohn für die entsprechenden Mühen winken dann in beiden Lebenswelten begeisterte und treue Fans (nicht nur bloße „Kunden“), welche die Basis für nachhaltigen Erfolg  bilden und gleichzeitig beste Referenzen sind.

Ernst Holzmann beschreibt in seinen Vorträgen und Seminaren, wie man „Weltmeister“ macht und was man speziell von Jogi´s Dream Team lernen kann. Gerade am Beispiel „unserer Weltmeister“ sind die Erfolgsfaktoren für  eine wirkungsvolle Strategie-Entwicklung und für die begeisternde Führung von Mannschaften einfach nachzuvollziehen. Die Bausteine und Vorgehensweise um sich am Schluss gegen harten Wettbewerb durchzusetzen sind wie folgt:

1. „Wir wollen Weltmeister werden!“

Was ist Ihre Mission in Ihrem Unternehmen?

Dies war die klare Zielsetzung von Jogi Löw und seinem Team beim Aufbruch zur Mission Brasilien 2014. Dass dabei am Ende tatsächlich der WM-Pokal mit nach Hause genommen werden konnte, wurde zur damaligen Zeit von den wenigsten deutschen Fans erwartet, auch weil viele Leistungsträger (z.B. Bastian Schweinsteiger, Lahm, Khedira und Neuer) mit Verletzungen zu kämpfen hatten oder sogar ganz ausfielen (Marco Reus) und die Vorbereitungsspiele wenig Grund zur Hoffnung gaben.

Die Frage für die Unternehmen und deren Verantwortlichen ist: Was ist Ihre Mission, was begeistert Ihre Mitarbeiter/innen zu außergewöhnlichem Einsatz, zu Zusammenhalt und zu Zusammenspiel innerhalb der verschiedenen Abteilungen?

2. „Immer weiter, Immer weiter!“

Oder müssen Sie nicht doch die Stärken Ihrer Mitarbeiter genau kennen?

Reicht eigentlich dieser legendäre Satz von Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn um erfolgreich zu sein, oder sollte man sich eher auf seine wirklichen Stärken verlassen? Bei unseren Weltmeistern war von Anfang an klar, dass die Eckpfeiler für das zu wählende Spielsystem Manuel Neuer als „Fußballspielender Torwart“ und flexibel einsetzbare Spieler – v.a. Lahm, Götze, Müller und Schürrle – waren.

Die große Kunst und die große Herausforderung für Führungskräfte in Unternehmen besteht darin, herauszufinden, auf welche tatsächlich vorhandenen Stärken die eigene Mannschaft/das eigene Unternehmen sich verlassen kann und wie man diese Stärken in Vorteile verwandelt.

3. „Ihr müsst so viel leisten wie noch nie, und dann werdet ihr bekommen, was ihr noch nie hattet!“

Wie inspirieren Sie Ihre Mitarbeiter und Teams?

So inspirierte und motivierte Jogi Löw seine Jungs vor dem Endspiel gegen Argentinien. Dass es bei dem Lohn für besonderen Anstrengungen weniger um monetäre  Anreize geht, belegt auch die Aussage von Philipp Lahm bezüglich seiner persönlichen Motivation: „Ich wollte nicht schon wieder von unten zusehen, wie andere oben den Pokal hoch halten“

Auch Menschen im Büro arbeiten zwar für Geld, aber nicht ausschließlich. Die Sehnsucht nach etwas Außergewöhnlichem, Teil eines „ganz Großen“ zu sein, Beachtung zu finden, gemeinsam mit Kollegen/innen etwas zu erreichen, treibt Menschen oft mehr an, als nur das normale Monatsgehalt. Nur wie schaffen Unternehmen es, Visionen in die Köpfe Ihrer Mitarbeiter zu bekommen?

4. Verwirren auch Sie Ihre Wettbewerber mit einer „falschen Neun“ und haben Sie immer einen Spieler mehr auf dem Feld?

Wie schafft man sich Wettbewerbsvorteile?

Jogi Löw verwandelte konsequent die Stärken seiner Spieler mit einem entsprechenden Spielsystem zu Wettbewerbsvorteilen, egal ob Torwart Neuer dabei „Manni den Libero“ gab, oder ob der Gegner unsere ständig rotierenden Offensiv-Spieler nicht zu fassen bekam und am Schluss sogar mit Mario Götze kein klassischer Mittelstürmer das goldene Tor erzielte.

Die Kunst bei einer nachhaltigen Strategieentwicklung ist es, seine eigenen Kernkompetenzen und Stärken – auch im Vergleich zu relevanten Gegnern –  klar zu erkennen, in den Mittelpunkt der eigenen  Aktivitäten zu stellen und daraus Wettbewerbsvorteile zu generieren. Oft wird bei Unternehmen der Fehler gemacht,  sich ausschließlich auf das originäre Produkt-Angebot zu konzentrieren, ohne auch die anderen „P“s (Pricing, Promotion, Point of Sale, Prozesse) des Marketing-Mix zu durchleuchten und hier Chancen für Innovationen und für wirksame Differenzierung zu suchen. Nimmt man z.B. den Autovermieter Sixt, oder den Versandhändler Zalando, steht hier eine klare Fokussierung auf Promotion und Differenzierung über aufmerksamkeitsstarke Werbekampagnen im Vordergrund, bei Vorwerk ist es die Konzentration auf den Direktvertrieb, auch mit speziellem Event-Charakter.

5. „Wir sind alle Weltmeister“!

Haben Sie ein Weltmeisterteam?

„Tauchen wir noch einmal ein in die Minuten, nach denen feststand, dass die deutsche Nationalmannschaft in Brasilien den Titel gewonnen hatte. Torhüter Manuel Neuer und Roman Weidenfeller, mit ihren Clubs Bayern München und Borussia Dortmund erbitterte Rivalen, feierten ausgelassen Arm in Arm. Lukas Podolski, mit knapp 54 Spielminuten im ganzen Turnier, war kurz davor Bastian Schweinsteiger zu küssen und Jogi Löw bezeichnete „einen unglaublichen Teamgeist, ein großartiges Können und eine unglaubliche Willenskraft“ als die wichtigsten Faktoren für den Titelgewinn.

Diese Bilder und Aussagen zeigen, dass die beste Strategie nur erfolgreich sein kann, wenn sie auf den Fähigkeiten und der Erfahrung der beteiligten „Spieler“ beruht und wenn sich diese als Team verstehen. Die Rollen müssen auf Basis der individuellen Stärken klar verteilt sein und nur wenn die Mannschaft  vollen Einsatz zeigt, können ehrgeizige – manchmal auch auf den ersten Blick unmöglich erscheinende – Ziele erreicht werden. Aufgabe des „Teams hinter dem Team“ ist es, herauszufinden, welche Fähigkeiten die verfügbaren „Spieler“ haben, für welche Aufgaben sie am besten bei der Umsetzung der gewählten Strategie geeignet sind, und auch, wer ein Teamplayer ist und wer nicht.

6. Sind Sie ein „Kampf-Schweinsteiger“ oder eher ein Ronaldo?

Sind Sie ein Vorbild in Ihrem Unternehmen?

Die Argentinier wussten genau, dass die deutsche Mannschaft mit ihrem eigentlichen Leader, Bastian Schweinsteiger, im wahrsten Sinne des Wortes „steht oder fällt.“ Gott sei Dank stand dieser aber öfter auf, als er „hingefallen wurde“, liess sich auch von einem blutenden Cut nicht aufhalten und führte die deutsche Mannschaft mit seiner Leidenschaft und seinem Siegeswillen zum Titel.

Albert Schweitzer hätte dazu gesagt:  „Ein Beispiel zu geben ist nicht die wichtigste Art, wie man andere beeinflusst. Es ist die einzige.“ Und dies betrifft nicht nur die Mannschaft im Spiel, oder die Mitarbeiter/innen im Unternehmen, sondern ganz besonders die jeweiligen Führungskräfte.

7. „Wat wolln se denn: Eine erfolgreiche WM, oder solln wir wieder ausscheiden und haben schön gespielt?! Ich leg mich jetzt erstmal drei Tage in die Eistonne!“

Reagieren erwünscht!

Diese Aussagen eines nach dem mühsamen 2:1 Sieg gegen Algerien sichtlich „angefressenen“ Per Mertesacker sind nicht nur authentisch und einfach nachzuvollziehen, sondern stehen symbolhaft für die generelle Frage: „Hauptsache gewonnen, egal wie, oder lieber nüchtern Ergebnis von Leistung und Einflussfaktoren trennen und bzgl. Aufstellung, System und Taktik eventuell reagieren?

Oft scheitern die besten Strategien einfach an den Mühen des Tagesgeschäftes, kurzfristigen Rückschlägen, unvorhergesehen Einflüssen und dem Rückfall der Beteiligten in alte Verhaltensmuster. Auf dem Weg zum gesteckten Ziel gehört deswegen Durchhaltevermögen genauso dazu, wie bei Abweichungen vom Kurs schnell und entschlossen zu handeln. Reagieren erwünscht!


Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wurde noch kurz vor Beginn des Turnieres für die ausgerufene Zielvorgabe „Wir wollen Weltmeister werden“ von vielen belächelt und diese Aussage als unrealistisch abgetan. Von Spiel zu Spiel konnte man aber erkennen, dass dieser Anspruch nicht pure Überheblichkeit war, sondern auf dem Bewusstsein der eigenen Stärken, eines klaren Planes und vor allem dem unbedingten Willen aller Beteiligten beruhte: Ein wahrhaft „weltmeisterlicher“ Plan, der jedem Unternehmen als Vorbild für nachhaltige Strategieentwicklung und deren wirkungsvolle Umsetzung dienen kann.

59 Jahre, hat in seinen beruflichen Verantwortungen (u.a. Geschäftsführer Vertrieb & Marketing, Leiter Unternehmensstrategie und Business Development) bei der Siemens AG, Siemens Nixdorf und NEC-Mitsubishi „live“ die Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bzgl. Change Management, Geschäftsstrategie und Leadership kennen gelernt. Er ist leidenschaftlicher „Fußballer“ (u.a. jahrelanger Spieler, Trainer mit DFB-Lizenz, Sportlicher Leiter und Vorstand bei verschiedenen Amateur-Vereinen) und agiert aktuell als Redner, Interim Manager und Unternehmensberater. Gleichzeitig gibt er als Dozent an Hochschulen (u.a. für Sportökonomie, Leadership, Marketing und Kommunikation) seine Erfahrungen aus der Wirtschaft an die Studierenden weiter und agiert als Referent (Vertrieb und Marketing) bei Unternehmens-Seminaren.

4 Kommentare

Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*